Von Christian Fahl
Ein früher Samstagmorgen. Die Sonne steht noch tief und die Nebelschwaden liegen schwer über dem trostlosen Acker. Vereinzelt leuchten in weiter Ferne die Kühltürme der Industrieanlagen auf. Ein eisiger Windhauch fegt durch die leeren Gassen und mitten drin erhebt sich ein kleines Gebäude. Ganz und gar nicht will es in diese triste Landschaft passen. Nur die vergitterten Fenster, die kahlen Wände und die monoton surrende Videokamera lassen erahnen, was die sieben funkelnden Augenpaare die nächsten Tage erwartet. Die Anspannung ist förmlich zu riechen und nur einer Person kommt ein Lächeln übers Gesicht…
… Robert Hein, Kommunikationstrainer und Seminarleiter, der die Mitglieder der DCI zum diesjährigen Rhetorik-Seminar „Überzeugen statt überreden“ in der Konrad-Adenauer-Stiftung begrüßt. Denn auch in diesem Jahr führte die DCI die Tradition fort, ihren Mitgliedern professionelle Fortbildungen über das Soft-Skills-Training der EUFH hinaus anzubieten.
Ganz so schlimm, wie die Einleitung vermuten lässt, verliefen die folgenden beiden Tage dabei nicht. Und doch waren alle etwas angespannt und neugierig. Denn auch die Videokamera sollte für die nächsten Stunden unser ständiger Begleiter bleiben.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es dann auch direkt mit der ersten Aufgabe los. Stegreifrede – spontanes Reden und der Umgang mit Lampenfieber. Diese Aufgabe hatte es in sich und nach nicht einmal dreißig Minuten seit Seminarbeginn konnte ich meine erste Lektion verbuchen. Denn egal um welches Thema es sich handelt, man sollte einen kleinen „Spickzettel“ nicht nur vorbereitet haben, sondern ihn auch so strukturieren, dass er eine wirkliche Hilfe ist
Nach diesem bedingt gelungenen Einstieg ging es dann munter weiter und im Anschluss durften wir uns alle gegenseitig fleißig anhand der Videos analysieren und kritisieren. Natürlich mit Hilfe des Feedback-Burgers, versteht sich!
Bereits um zwölf Uhr war dann aber auch schon wieder Schluss. Vorerst. Mittagessen. Im eigentlichen Schloss Eichholz, wo es dann zum ersten Mal die Gelegenheit gab, die vorangegangene Einheit Revue passieren zu lassen und sich ganz persönliche und wertvolle Tipps bei Herrn Hein abzuholen.
Im Anschluss an das Mittagessen folgten dann thematische Einheiten zum Präsentieren und Sprechen vor Publikum, sowie die Konzeption und Präsentation von Überzeugungsreden. Wo man sich zu Beginn noch fragte, was man hier noch Neues lernen sollte, wurden wir kurz darauf eines Besseren belehrt. Denn kurz vor der Überzeugungsrede hatten drei Personen die Möglichkeit, jeweils ein Wort einzuwerfen, welches dann spontan eingebaut werden musste. Sicher klingt das zunächst nicht schwer, aber versucht doch mal selbst Begriffe wie „Pinguin“, „defragmentieren“ und „Homo Oeconomicus“ in eine Rede einzubauen und das Publikum dann auch noch von eurem Produkt zu überzeugen
Am Abend durften wir uns dann nochmal an einer Überzeugungsrede versuchen. Diesmal musste jedoch kein Produkt verkauft werden, wir hatten mehr Vorbereitungszeit und es gab keine „extra Wörter“. Mehr oder weniger hielten wir uns an die vorher besprochene Theorie und auf einmal liefen die Präsentationen deutlich runder. Nach fast 12 Stunden harter Arbeit hieß es dann aber um 21 Uhr endlich Feierabend.
Zumindest fast. Denn bei Bier, Chips und Schokolade wurden das Seminar in Eigenregie weitergeführt, die beiden Neulinge Yannah und Marcel gebührend in der DCI willkommen geheißen und das Weinfest der Jungen Union erfolgreich infiltriert. Nachdem der Abend schließlich immer länger und die Nacht immer kürzer geworden waren (trotz Zeitumstellung!) schafften es alle zusammen pünktlich, wenn auch etwas zerknittert, am Frühstückstisch zu erscheinen. Exakt um 9 Uhr hieß es dann: Weiter im Programm.
Wir starteten mit der Videoanalyse des gestrigen Abends und wussten mittlerweile, was uns erwartet, denn jeder hat ja so seine ganz eigene Macke. Und diese innerhalb so kurzer Zeit abzustellen war fast unmöglich. Gott sei Dank ging es dann nach dem Mittagessen „nur noch“ mit einer Diskussion weiter. In dieser ging es darum, sich in Zweiergruppen jeweils einer politischen Diskussion zu stellen und souverän zu argumentieren. Und was lässt sich unter angehenden Bachelorstudenten besser diskutieren als die Frage, ob Masterstudiengängen sinnvoll sind oder nicht?!
Das zweite Thema – Facebook und seine Datenschutzbestimmungen – war dagegen eher ein IT-lastiges Thema, musste aber genau wie Ersteres nach ca. 15 Minuten abgebrochen werden um es nicht ausarten zu lassen.
Und kaum waren die Diskussionen vorbei, da neigte sich das Seminar auch schon dem Ende. Die Zeit war wie im Flug vergangen und die Stunden auf Schloss Eichholz im Allgemeinen, sowie die Stunden hinter Gittern im Speziellen weniger schlimm als erwartet. Ganz im Gegenteil. Mein Fazit, und ich bin mir sicher, dass ich da für alle sprechen kann, lautet vielmehr: Ich würde es IMMER WIEDER tun!!!
Soft-Skills sind heutzutage oft das entscheidende Zünglein an der Waage und was gibt es da Besseres, als professionelle Weiterbildung mit einer großen Portion Enthusiasmus und Spaß zu verbinden?!
